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Friedhelm Schumacher (Hrsg.) SEMIK-Impulse für die Lehrerbildung Grünwald: FWU Institut für Film und Bild, 2004 (176 S.) ISBN: 3-922098-91-6; Preis: 19,90 € FWU-Best.-Nr 09 00020 Download als PDF-Datei, 1,7 MB) |
Vorwort
Im Frühjahr 1998 beschloss die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung die Durchführung des Programms “Systematische Einbeziehung von Medien, Informations- und Kommunikationstechnologien in Lehr- und Lernprozesse”, kurz SEMIK. Die konzeptionelle Basis bildete ein von der BLK in Auftrag gegebenes Gutachten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). In den folgenden fünf Jahren wurden auf der Grundlage des gemeinsamen Konzepts insgesamt 25 Einzelvorhaben durchgeführt, die sich den Schwerpunkten des Programms - Unterrichtskonzepte, Schulentwicklung, Curriculumentwicklung, Lehreraus- und -fortbildung, technische Tools - zuordneten.
Aus diesen Einzelvorhaben resultierte eine Vielzahl von Erkenntnissen und Erfahrungen, die in unterschiedlicher Form verfügbar gemacht wurden. Zusammenfassend legte die mit der zentralen wissenschaftlichen Begleitung und der externen Evaluation beauftragte LMU einen umfangreichen Abschlussbericht vor, der die Ergebnisse des Programms und der einzelnen Vorhaben dokumentiert.
Die in der vorliegenden Publikation zusammengestellten Aufsätze beleuchten einen weiteren wesentlichen Aspekt der Arbeiten im Programm SEMIK: Eine Reihe von Einzelvorhaben konnte interne wissenschaftliche Begleitmaßnahmen realisieren, die sich mit den Voraussetzungen und Wirkungen des Einsatzes von (neuen) Medien und IuK-Technologien im Unterricht befassten. Diese Erkenntnisse flossen in der Regel sofort in die Umsetzung der Vorhaben ein und konnten so die intendierten Zielsetzungen unterstützen.
Die inhaltliche und methodische Bandbreite der Beiträge entspricht der Heterogenität der Projekte und der durchführenden Institute. Mit den Ergebnissen wenden sich die Autorinnen und Autoren zunächst an die fachwissenschaftliche Öffentlichkeit, nicht zuletzt aber auch an die Schulen selbst, Schulleitungen und Kollegien, die an der Implementierung angemessenerer Lehr- und Lernprozesse arbeiten und dabei sicherlich von den vielfältigen Erfahrungen profitieren können, die in fünf Jahren SEMIK-Arbeit gemacht worden sind.
Der Beitrag “Aspekte einer neuen Lehrkultur” von Hartmut Jonas weist mit Nachdruck darauf hin, dass “neues” Lernen an der Schule nur dann statt finden kann, wenn es durch “neues” Lehren den notwendigen Raum und die adäquate Unterstützung erhält. Indem Jonas grundlegende Aspekte einer neuen Lern- und Lehrkultur erörtert, geht er zugleich auf Fragestellungen ein, die für das Programm SEMIK als Ganzes bestimmend waren. Im zweiten Teil stellt Jonas Befragungsergebnisse aus dem Projekt “Entwicklung von Methodenkompetenz zum Wissenserwerb in den Neuen Medien” (Mecklenburg-Vorpommern) dar. Sie belegen eine Entwicklung bei den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern sowohl zu verstärktem als insbesondere auch zu qualitativ verändertem Einsatz von neuen Medien. Eine Veranschaulichung für diesen Befund bilden die kommentierten Darstellungen von zwei exemplarischen Unterrichtsverläufen aus der Anfangs- und der Endphase des Projekts.
Mit der Rolle und dem Selbstverständnis von Lehrerinnen und Lehrern befasst sich auch der Beitrag von Timo Ehmke, Martin Senkbeil und Michael Bleschke “Typen von Lehrkräften beim schulischen Einsatz von neuen Medien”. Auf der Basis ihrer empirischen Befunde im Zusammenhang mit der Durchführung des Projekts “Didaktisch optimierter Einsatz von Computeranwendungen im naturwissenschaftlichen Unterricht” (Schleswig-Holstein) identifizieren sie “Enthusiasten”, “interessierte Laien”, “Computer-Ablehner”, “aufgeschlossene Pragmatiker” und “verhinderte Mediennutzer”. Ehmke, Senkbeil und Bleschke bestätigen den Befund, dass eine Promotorenfunktion der Schulleitung wesentlichen Einfluss auf die Nutzung neuer Medien im Unterricht hat, und belegen daraus resultierende Auswirkungen auf die Verteilung der Nutzertypen innerhalb der untersuchten Kollegien: Die Anteile der “verhinderten Mediennutzer” und “interessierten Laien” verringern sich, während sich der Anteil von “aufgeschlossenen Pragmatikern” erhöht. Die Autoren schlagen vor, die anhand der Typisierung identifizierbaren Gruppen je spezifisch in schulische Entwicklungsprozesse einzubeziehen bzw. ihnen gezielte Fortbildungen anzubieten.
Das Projekt “Wissensmanagement an Schulen und Schulentwicklung” (Bayern) basierte auf der Grundüberzeugung, dass Schulentwicklung wesentlich abhängig ist von einem effektiven Wissensmanagement der an Schule beteiligten Personen bzw. Gruppen. Franz Huber stellt in seinem Aufsatz “bilanz ziehen” heraus, dass Wissensmanagement nicht nur der verbesserten Zugänglichkeit von Informationen dient, sondern auch bei der Generierung von Steuerungswissen eine entscheidende Rolle spielen kann. Sowohl für die Konsensfindung über schulische Ziele als auch bei der Evaluation des Erfolgs seien Formen des Wissensmanagements unverzichtbar. Huber stellt eingehend die CD “bilanz ziehen” vor, die solche schulischen Aktivitäten unterstützt, indem sie Instrumente für Dokumentation und Analyse des Entwicklungsstands bereit stellt. Im dritten Teil seines Beitrages berichtet Huber über Design und Ergebnisse einer projektinternen Lehrer- und Schülerbefragung zu den Schwerpunkten “Lernkultur”, “Zusammenarbeit im Kollegium (Teamentwicklung)” und “Schulorganisation (Organisationsentwicklung)”.
Die weiteren Beiträge dieses Sammelbandes fokussieren stärker als die vorangehenden auf Fragen des veränderten – “neuen” – Lernens in SEMIK.
Die zwei Aufsätze zum Projekt “SelMa - Selbstlernen in der gymnasialen Oberstufe” (Nordrhein-Westfalen) ergänzen sich gegenseitig.
Wolfgang Weber stellt mit “SelMa – Selbstgesteuertes Lernen erfordert erweiterte Kompetenzen bei Lehrenden und Lernenden” das Konzept und die Arbeit des Projekts vor. Ambitionierter Ausgangspunkt war die “Vision von einem selbstständigen Schüler” – eine Vision im Übrigen, die, wenn auch eher implizit, in einer Vielzahl von SEMIK-Projekten grundlegend war. Und ganz im Sinne des von SEMIK vertretenen gemäßigten Konstruktivismus berichtet Weber von den Überlegungen und Anstrengungen, Lernarrangements sinnvoll so zu gestalten, dass Selbstlernen im Sinne von selbsttätigem und selbstgesteuertem Lernen möglichst effektiv und unaufwändig im Unterrichtsalltag umsetzbar ist.
Annabell Preussler und Renate Schulz-Zander berichten in “Selbstreguliertes Lernen im Mathematikunterricht – Empirische Ergebnisse des Modellversuchs SelMa” über eine Begleituntersuchung, die während der Laufzeit des Projekts in Auftrag gegeben wurde. Die Ergebnisse der Lehrer- und der Schülerbefragungen belegen, dass “Selbstlernen” grundsätzlich von allen als Chance wahrgenommen wird, dass es aber auch – für “schwächere” Schülerinnen und Schüler” – schnell eine Überforderung darstellen kann, wenn das methodische Arrangement nicht entsprechend entwickelt ist, beginnend bei der Aufbereitung der Materialien über die Nutzung kooperativer Lernformen bis hin zur individuellen Lernprozess-Beratung durch Lehrerin oder Lehrer.
Wie Schülerinnen und Schüler mit der Anforderung, “selbstständig zu lernen” umgehen, wann sie produktive Herausforderung ist, wann sie einfach nur Zumutung sein kann, dem geht Waltraud Kerber-Ganse in ihrem Bericht über “Notebook-Unterricht in der Subjekt-Perspektive Hamburger Schülerinnen und Schüler” nach. Im SEMIK-Projekt “Lernen mit Notebooks”, das wie kein zweites die Alltäglichkeit des Lernens mit neuen Medien im projektorientierten Unterricht praktiziert hat, moderierte Kerber-Ganse eine “aus datengestützter Fremdsicht begleitete Selbstevaluation”.
Im letzten Beitrag des Bandes, “Elektronische Distribution von Medien on Demand - Audiovisuelle Medien als Katalysator für kooperatives Lernen” erörtern Dieter Grubert und Joachim Paul die Frage, inwieweit “kooperatives Lernen” in nicht-hierarchischen (“heterarchischen”) Strukturen grundsätzliche lernpsychologische Vorteile gegenüber anderen Lernformen hat, um in einem zweiten Teil die Ergebnisse einer kleinen Befragung vorzustellen, die bei Lehrerinnen und Lehrern des nordrhein-westfälischen Projekts “EDMOND” durchgeführt wurde. Grubert und Paul finden Indizien dafür, dass der Einsatz von digitalen AV-Medien(modulen) die gewünschten Effekte in besonderem Maße befördert.
Friedhelm Schumacher, FWU
Gesamtkoordinator des BLK-Programms SEMIK